Freitag, 30. März 2018

Abenteuer Rennsteig


Das Rennen beginnt ... ganz langsaaaaaaam!


Thüringen, unendliche Weiten! Wir schreiben das Jahr 2018. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise ... ähhhh ...

Natürlich ist es nicht das Raumschiff Enterprise, noch das Traumschiff Surprise und ich heiße auch nicht James Tiberius sondern einfach nur Thomas oder Tom. Aber Thüringen und 2018, das ist auf jeden Fall Fakt! Irgendwann im letzten Jahr - wahrscheinlich am schier endlosen Sandstrand von Fanö - habe ich mir in den Kopf gesetzt, 2018 mal was total Verrücktes, Außer- und Ungewöhnliches und für mich etwas völlig Unbequemes zu tun: Wandern!

Wandern, das kannte ich schon aus meiner Zeit als umweltverpestender Zigarettenraucher, wenn man nachts auf Wanderschaft ging, weil die Tanke dicht war und irgendwie die letzte Zigarette nicht mehr bis zum nächsten Morgen reichte. Das Wandern also zum Zigarettenautomat und das waren durchaus auch schon mal mehrere hundert Meter! Freiwillig, aber doch irgendwie zwanghaft. Mal abgesehen von diesen Episoden meterweiter Fußmärsche ist es mir in der Vergangenheit nie wirklich in den Kopf gekommen, freiwillig mehr als 5 Kilometer zu gehen. Wofür? Einfach weil man Lust darauf hat? Lust auf Wandern? Der, dem niemals fiel das Wandern ein, das Wa-han-dern?

Da war also der in geistiger Umnachtung am Tage entstandene Plan, Wandern zu gehen ... fehlte nur noch das "wann" und das "wo". Das "wo" war dann auch schnell beschlossen, es sollte der älteste deutsche Weitwanderweg werden, nämlich der Rennsteig in Thüringen. 100.000 Wanderer sollen diesen rund 170 Kilometer langen Kammweg im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald gehen ... da würde ich also gar nicht auffallen. Das "wann" kam eigentlich fast von selbst: Wusste ich von Fotos aus Neuhaus am Rennweg, dass im Winter durchaus verdammt viel Schnee fallen konnte, der Sommer zu heiß und mückenlastig und der Herbst durchaus verregnet sein kann, entschied ich mich für das Frühjahr. Vor dem Rennsteiglauf, versteht sich, allein schon wegen der dann rund um Neuhaus seltenen Übernachtungsmöglichkeiten.

Also ... vom 29.04. bis 10.05.2018 geht es von Eisenach-Hörschel bis nach Blankenheim in 10 Etappen auf, an und um den Rennsteig. Zu Fuß! Damit ich nicht mit Wolf und Wildschwein um eine der vielen Schutzhütten kämpfen muss, sind die Hotels vorgebucht und das Gepäck wird täglich von A nach B, B nach C und C nach D gebracht.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich weder etwas vom Wandern verstehe noch dass ich gerne wander, und so muss ich mir alles anlesen, was ich wissen will. Früh liest und lernt man, das wohl alles mit der Bekleidung und dem Schuhwerk geht und steht oder fällt. Wie groß muss der Rucksack sein. Darf es ein bisschen Tee sein auf der Wanderung? Und wenn Tee, dann das heiße Gesöff in schwarz oder lieber fruchtig-frisch? Auf keinen Fall Kamille! Und wie war das mit der Ernährung? Als ob ich mich darum kümmern würde?! Und trotzdem ... ahhhh ... morgens Kohlenhydrate in Form von Müsli, Nutellabrötchen und ähnlichen Leckereien? Ein Kollege erzählt dann, dass man bloß kein Studentenfutter oder Nüsse essen sollte, weil das Blähungen verzapfen würde, die durch die Reibung und kraft der abgehenden Winde durchaus zu bösem Wundsein führen könnte. Und welches Wasser war da noch gleich das Beste für unterwegs? Ahhhhaaa ... hydrogencarbonatreiches Mineralwasser soll es sein. Oder doch lieber Apfelschorle? 

Die nächsten 4 Wochen werden für die Vorbereitung genutzt: Höhentraining (immer erreiche ich mit rund 970 m über NN eine Höhe, in der andere schon mit Sauerstoffmaske unterwegs sind), Weitwandertraining (mit dieser Schrittzähleruhr Fitbit) und einem Sprachkurs, um das Thüringische zu verstehen, auch wenn man in Thüringen noch weit weg von "Gänsefleisch" ist. 

Übrigens ... das Foto gleich zu Beginn ist am 13.01.2018 am Rennsteig in der Nähe der Hohen Sonne entstanden. R steht für ähhhh ...