Donnerstag, 3. Mai 2018

2. Etappe: Von Ascherbrück bis zur Grenzwiese

15 km stehen an ... und schon kommen mir Zweifel, ob ich die überhaupt gehen will, zumal mit dem Großen Inselsberg auf 916 m der fünfthöchste Berg des Thüringer Waldes erreicht wird. Jetzt bin ich grade auf 551 m ... au weia!

Interessanter Weise sind grade die Aufstiege mit nicht eingeebnetem Weg einfacher zu gehen als die, die über Schotter bergauf gehen. Die beiden Fotos zeigen einmal eine Strecke, die über fast einen Kilometer komplett über Baumwurzeln geht, während die andere nur so vor Steinen wimmelt. Gut, dass ich festes Schuhwerk habe!



An den Wegkreuzen kann man sich dann orientieren, wie weit man noch laufen muss, soll und darf. Wenn Du also weißt, dass der Weg schlanke 15 km beträgt und du nach eeeeewigen Zeiten an ein Wegkreuz kommst, dass Dir 9,5 km bis zum Großen Inselsberg bleiben, dann fragt man sich echt, ob man zu lange Pause gemacht, zu oft getrunken oder einfach nur rumgetrödelt hat. 


Irgendwann hinter der Glasbachwiese zweifelst Du an Dir selbst. Hast Du bisher nur stets die Vögel in den Fichten-, Tannen- und Buchenwäldern gehört, kommen seltsamen Töne dazu. Irgendwie melodisch, aber laut. Irgendwie disharmonisch, aber bekannt. Und irgendwann hörst Du "Lebt denn der alte Holzmichel noch ...". Oh je!

Dreiherrenstein - so nennt sich das Zusammentreffen dreier Länder, in diesem Fall (es gibt noch 6 andere Dreiherrensteine) treffen hier die Grenzen von Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen und Kurhessen zusammen. Das war aber nicht der Grund für den Holzmichel! 

Am Dreiherrenstein war nämlich Halligalli zum 1. Mai! Die Liveband mit Liedgut eines Ernst Moschs, den Randfichten und diverserer anderen heimischen und unheimischen bzw. unheimlichen Musikern gaben alles! Bierbude und Thüringer-Würstchen-Stand vervollständigten die Maifeier. Trotz allem ... eine schöne Unterbrechnung! Aber noch 7,5 km bis zum Großen Inselsberg und noch stehen mir heftige Anstiege bevor.


Ähnlich wie auf dem gesamten Rennsteig folgt man einfach dem R oder dem x bis zum nächsten Wegkreuz und nach dem Großen Weißenberg folgt rund 2 Kilometer später der Obere Beerberg ... und ich bin platt. Wobei ich eigentlich sagen muss, dass der Abstieg irgendwie viel schlimmer als der Aufstieg ist. Wie schlimm ein Abstieg aber wirklich sein kann, sollte ich am Ende dieser Etappe erst merken.


Ein wenig später erreicht man die Schutzhütte Venetianerstein. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über den Thüringer Wald und seine Berge in der Ferne. 


Nach 13,5 km ist dann endlich der Große Inselsberg erreicht und ich bin froh, dass es von jetzt an keinen einzigen Schritt mehr bergauf gehen wird ... zumindest für diese Etappe. Ich bin fertig, komplett durchgeschwitzt und meine Füße und Oberschenkel brennen. Es sind noch gut 1,5 km hinunter zur Grenzwiese und dem Hotel "Kleiner Inselsberg".


Wenn ich meinen Wanderführer auswendig gelernt oder zumindest nochmal gezückt hätte, dann hätte ich meine Entscheidung, den direkten Rennsteig zu gehen, mit Sicherheit überlegt und geändert, denn "Es geht von dort stellenweise verwegen steil bergab" verheißt nichts Gutes. Ach ... und trittsicher sollte man auch sein. Die Realität sieht dann so aus: 



Und dann ... ist endlich das Hotel erreicht. Ich bin müde, werde noch ein Zigeunerschnitzel mit Letscho verköstigen, vorher eine leckere Soljanka ... und schon ist wieder Bettzeit. Ich bin einfach nur müde und schaffe es doch glatt, 10 Stunden zu schlafen. Na ja ... heute waren es immerhin 26.026 Schritte und 146 Etagen bei 15 Kilometern. Ich bin stolz auf mich! 











Mittwoch, 2. Mai 2018

1. Etappe: Von Eisenach-Hörschel bis Ascherbrück


In Eisenach-Hörschel beginnt der Rennsteig. Oder er endet da! Es kommt halt darauf an, ob Du vorwärts oder rückwärts laufen möchtest. Schon zu Beginn, der klitzekleine Aufstieg zur ersten Schutzhütte lässt Dich zweifeln, ob VORWÄRTS die richtige Wahl war. Du gehst hoch ... höher ... ganz hoch und schwups ... blickst Du auf die Wartburg. In weiter Ferne ... aber die kommt Dir heute auf der 20 Kilometer langen Strecke noch ganz nah!


Die Schutzhütten sind für manche Wanderer hilfreich, bedeuten Sie nicht nur einen Unterstand bei schlechtem Wetter (gut, dass an diesem stürmischen Tag nicht auch noch Wasser von oben kam), sondern einige können durchaus auch als Nachtlager benutzt werden. Andere Wanderer ... oder was auch immer für Typen ... haben einfach ein "M" für sich selbst hinzugefügt und eine Schmutzhütte daraus gemacht. Was für Idioten. Ich spreche dabei gleich von allen möglichen menschlichen Hinterlassenschaften in Form von Essensresten, Müll und Fäkalien. Schlimm!


Auf den ersten paar Kilometern haben scheinbar schon einige Schuhe oder Wanderer aufgegeben. Man weiß es nicht so genau, aber hin und wieder zeugen Kunstinstallationen wie diese davon. Der arme Baum!

Das R steht übrigens für RENNSTEIN und nicht für "Rehe in Sichtweite", "Rudelweise gehen" oder "Regen auf den nächsten zwei Kilometern. Wenn ich die Strecke bis zur Neuen Ausspanne, also dem Ende der 3. Etappe zurückdenke, dann ist der Rennsteig verdammt gut ausgeschildert. Ich hatte zu keiner Zeit Zweifel, ob ich auf dem richtigen Weg war. Behilflich sind auch die Hinweisschilder an den Wegkreuzen:


Bis zur Hohen Sonne (in der Regel montags geschlossen) hat man keine Möglichkeit, sich mit einer leckeren Thüringer Bratwurst oder anderen Leckereien zu versorgen. Der Rangenhof hat seit dem 31.12.2017 geschlossen und so ist man auf den Inhalt des Rucksacks angewiesen. Das ich mal am Tag 4 Liter trinken würde oder das ich mich so richtig über eine Banane freuen würde ... jetzt weiß ich es.


Wenn es denn durch Wald geht, dann sieht es auf der ersten Etappe fast immer so aus: Roter Weg durch grünem Grün! Idyllisch! Entspannend! Nur die Bäume rauschen und hin und wieder hämmert ein Specht wie bekloppt durch die Wälder. 

Für mich die beiden schönsten Szenen des Tages: Ein Meer aus Löwenzahn und ein einzelner Baum mitten auf einer grünen Wiese. Deutschland kann soooooo schön sein, wenn man nur genau hinschaut:



Ausgerechnet an einem Montag muss ich losgehen und die Restauration an der Hohen Sonne hat montags Ruhetag. Puh ... aber Glück gehabt: Weil der erste Mai vor der Tür steht, hat man sich den vielen Touristen, Wanderern und sonstigem Gesocks erbarmt und lecker Thüringer Würstchen nebst Vita Cola und anderem Gebräu angeboten. Hey ... ich stehe nur wirklich nicht auf Bratwürstchen, aber DIE hier? Göttlich!

Nach 30.074 Schritten und 157 Etagen (laut Fitbit-Uhr) bin ich nach 9 Stunden (versteht sich: Pausen - sehr lange Pausen - mit eingerechnet) dann am Ziel angekommen. Und ich bin stolz wie Bolle! Klar tun mir die Füße weh. Die Oberschenkel. Ein wenig die Schultern vom Rucksack. Ein wenig Röte im Gesicht, weil - hey, bei DEM Wetter muss man sich doch nicht eincremen! Und ich habe einen Mordshunger! Man hätte mir Graupensuppe vorsetzen können ... oder Kaiserschmarrn ... und ich hätte es verputzt und als leckerstes Essen der Welt gehalten.