Mittwoch, 2. Mai 2018

1. Etappe: Von Eisenach-Hörschel bis Ascherbrück


In Eisenach-Hörschel beginnt der Rennsteig. Oder er endet da! Es kommt halt darauf an, ob Du vorwärts oder rückwärts laufen möchtest. Schon zu Beginn, der klitzekleine Aufstieg zur ersten Schutzhütte lässt Dich zweifeln, ob VORWÄRTS die richtige Wahl war. Du gehst hoch ... höher ... ganz hoch und schwups ... blickst Du auf die Wartburg. In weiter Ferne ... aber die kommt Dir heute auf der 20 Kilometer langen Strecke noch ganz nah!


Die Schutzhütten sind für manche Wanderer hilfreich, bedeuten Sie nicht nur einen Unterstand bei schlechtem Wetter (gut, dass an diesem stürmischen Tag nicht auch noch Wasser von oben kam), sondern einige können durchaus auch als Nachtlager benutzt werden. Andere Wanderer ... oder was auch immer für Typen ... haben einfach ein "M" für sich selbst hinzugefügt und eine Schmutzhütte daraus gemacht. Was für Idioten. Ich spreche dabei gleich von allen möglichen menschlichen Hinterlassenschaften in Form von Essensresten, Müll und Fäkalien. Schlimm!


Auf den ersten paar Kilometern haben scheinbar schon einige Schuhe oder Wanderer aufgegeben. Man weiß es nicht so genau, aber hin und wieder zeugen Kunstinstallationen wie diese davon. Der arme Baum!

Das R steht übrigens für RENNSTEIN und nicht für "Rehe in Sichtweite", "Rudelweise gehen" oder "Regen auf den nächsten zwei Kilometern. Wenn ich die Strecke bis zur Neuen Ausspanne, also dem Ende der 3. Etappe zurückdenke, dann ist der Rennsteig verdammt gut ausgeschildert. Ich hatte zu keiner Zeit Zweifel, ob ich auf dem richtigen Weg war. Behilflich sind auch die Hinweisschilder an den Wegkreuzen:


Bis zur Hohen Sonne (in der Regel montags geschlossen) hat man keine Möglichkeit, sich mit einer leckeren Thüringer Bratwurst oder anderen Leckereien zu versorgen. Der Rangenhof hat seit dem 31.12.2017 geschlossen und so ist man auf den Inhalt des Rucksacks angewiesen. Das ich mal am Tag 4 Liter trinken würde oder das ich mich so richtig über eine Banane freuen würde ... jetzt weiß ich es.


Wenn es denn durch Wald geht, dann sieht es auf der ersten Etappe fast immer so aus: Roter Weg durch grünem Grün! Idyllisch! Entspannend! Nur die Bäume rauschen und hin und wieder hämmert ein Specht wie bekloppt durch die Wälder. 

Für mich die beiden schönsten Szenen des Tages: Ein Meer aus Löwenzahn und ein einzelner Baum mitten auf einer grünen Wiese. Deutschland kann soooooo schön sein, wenn man nur genau hinschaut:



Ausgerechnet an einem Montag muss ich losgehen und die Restauration an der Hohen Sonne hat montags Ruhetag. Puh ... aber Glück gehabt: Weil der erste Mai vor der Tür steht, hat man sich den vielen Touristen, Wanderern und sonstigem Gesocks erbarmt und lecker Thüringer Würstchen nebst Vita Cola und anderem Gebräu angeboten. Hey ... ich stehe nur wirklich nicht auf Bratwürstchen, aber DIE hier? Göttlich!

Nach 30.074 Schritten und 157 Etagen (laut Fitbit-Uhr) bin ich nach 9 Stunden (versteht sich: Pausen - sehr lange Pausen - mit eingerechnet) dann am Ziel angekommen. Und ich bin stolz wie Bolle! Klar tun mir die Füße weh. Die Oberschenkel. Ein wenig die Schultern vom Rucksack. Ein wenig Röte im Gesicht, weil - hey, bei DEM Wetter muss man sich doch nicht eincremen! Und ich habe einen Mordshunger! Man hätte mir Graupensuppe vorsetzen können ... oder Kaiserschmarrn ... und ich hätte es verputzt und als leckerstes Essen der Welt gehalten.





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