Interessanter Weise sind grade die Aufstiege mit nicht eingeebnetem Weg einfacher zu gehen als die, die über Schotter bergauf gehen. Die beiden Fotos zeigen einmal eine Strecke, die über fast einen Kilometer komplett über Baumwurzeln geht, während die andere nur so vor Steinen wimmelt. Gut, dass ich festes Schuhwerk habe!
An den Wegkreuzen kann man sich dann orientieren, wie weit man noch laufen muss, soll und darf. Wenn Du also weißt, dass der Weg schlanke 15 km beträgt und du nach eeeeewigen Zeiten an ein Wegkreuz kommst, dass Dir 9,5 km bis zum Großen Inselsberg bleiben, dann fragt man sich echt, ob man zu lange Pause gemacht, zu oft getrunken oder einfach nur rumgetrödelt hat.
Irgendwann hinter der Glasbachwiese zweifelst Du an Dir selbst. Hast Du bisher nur stets die Vögel in den Fichten-, Tannen- und Buchenwäldern gehört, kommen seltsamen Töne dazu. Irgendwie melodisch, aber laut. Irgendwie disharmonisch, aber bekannt. Und irgendwann hörst Du "Lebt denn der alte Holzmichel noch ...". Oh je!
Dreiherrenstein - so nennt sich das Zusammentreffen dreier Länder, in diesem Fall (es gibt noch 6 andere Dreiherrensteine) treffen hier die Grenzen von Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen und Kurhessen zusammen. Das war aber nicht der Grund für den Holzmichel!
Am Dreiherrenstein war nämlich Halligalli zum 1. Mai! Die Liveband mit Liedgut eines Ernst Moschs, den Randfichten und diverserer anderen heimischen und unheimischen bzw. unheimlichen Musikern gaben alles! Bierbude und Thüringer-Würstchen-Stand vervollständigten die Maifeier. Trotz allem ... eine schöne Unterbrechnung! Aber noch 7,5 km bis zum Großen Inselsberg und noch stehen mir heftige Anstiege bevor.
Ähnlich wie auf dem gesamten Rennsteig folgt man einfach dem R oder dem x bis zum nächsten Wegkreuz und nach dem Großen Weißenberg folgt rund 2 Kilometer später der Obere Beerberg ... und ich bin platt. Wobei ich eigentlich sagen muss, dass der Abstieg irgendwie viel schlimmer als der Aufstieg ist. Wie schlimm ein Abstieg aber wirklich sein kann, sollte ich am Ende dieser Etappe erst merken.
Ein wenig später erreicht man die Schutzhütte Venetianerstein. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick über den Thüringer Wald und seine Berge in der Ferne.
Nach 13,5 km ist dann endlich der Große Inselsberg erreicht und ich bin froh, dass es von jetzt an keinen einzigen Schritt mehr bergauf gehen wird ... zumindest für diese Etappe. Ich bin fertig, komplett durchgeschwitzt und meine Füße und Oberschenkel brennen. Es sind noch gut 1,5 km hinunter zur Grenzwiese und dem Hotel "Kleiner Inselsberg".
Wenn ich meinen Wanderführer auswendig gelernt oder zumindest nochmal gezückt hätte, dann hätte ich meine Entscheidung, den direkten Rennsteig zu gehen, mit Sicherheit überlegt und geändert, denn "Es geht von dort stellenweise verwegen steil bergab" verheißt nichts Gutes. Ach ... und trittsicher sollte man auch sein. Die Realität sieht dann so aus:
Und dann ... ist endlich das Hotel erreicht. Ich bin müde, werde noch ein Zigeunerschnitzel mit Letscho verköstigen, vorher eine leckere Soljanka ... und schon ist wieder Bettzeit. Ich bin einfach nur müde und schaffe es doch glatt, 10 Stunden zu schlafen. Na ja ... heute waren es immerhin 26.026 Schritte und 146 Etagen bei 15 Kilometern. Ich bin stolz auf mich!
Mein Glückwunsch, ich als direkte Rennsteig Bewohnerin habe es noch nicht in Angriff genommen. Naja, ich laufe dann demnächst wieder von Oberhof nach Schmiedefeld. Das ist wenigstens ein Stückchen vom Rennsteig.
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